Oberbayern-Rundspruch Next Die Webseite der Woche
Über 40 Jahre DARC-Mitglied

 

Den Deutschland-Rundspruch sendetauglich machen


Der Oberbayern-Rundspruch enthält immer auch Teile des Deutschland-Rundspruchs. Im Normalfall ist das der gesamte DL-Rundspruch ohne die Funkwetter-Vorhersage. Das ist vor allem dem Sendetermin geschuldet: Der Deutschalndrundspruch erscheint am Donnerstag und wir senden erst am Montag.

Mit dem Deutschlandrundspruch habe ich ein professionelles Problem: Seit drei Jahrzehnten verdiene ich mein Geld als professioneller Redakteur. Wenn also oben in einem Dokument mein Name steht, dann muss darunter ein Text folgen, der wenigstens den Grundregeln meines Handwerks entspricht. Davon ist der Deutschland-Rundspruch aber so gut wie immer meilenweit entfernt:

  • Der Deutschland-Rundspruch wird vorgelesen. Er muss also ganz strikt linear verständlich sein. Der Hörer hat keine Chance, irgendwie zurückzugehen und den Textfluss zu vervollständigen.
  • Die Übertragungsqualität kann sehr gering sein. Sprechfunkverbindungen auf Kurzwelle haben eine bedeutend schlechtere Silbenverständlichkeit als eine Telefonverbindung. Der Oberbayern-Rundspruch auf UKW ist etwas besser dran. Aber heutige Telefonqualität ist das auch nicht.
  • Die Hörerschaft ist zu einem großen Teil 60 Jahre und viel älter.
  • Kaum einer der Sprecher macht das professionell. Da wird genuschelt, da werden Silben verschluckt, da schlägt der Dialekt durch. Ortsangaben in DX-Meldungen gehen meist garnicht.

Auf all das muss der Redakteur Rücksicht nehmen. Das bedeutet beispielsweise:

  • Die Texte müssen eine sachlogische Reihenfolge haben. Am Anfang muss man den Hörer abholen und ihn dann in einer nachvollziehbaren Reihenfolge mit den Informationen versorgen.
  • Alle Begriffe, die der Hörer nicht kennt, müssen sofort erklärt werden. Sonst kann der Hörer die Relevanz der Information nicht einschätzen, das bislang Gehörte nicht verarbeiten, und steigt bis zur nächsten Meldung aus.
  • Die Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses ist begrenzt. Die Forschung ist sich einig, dass Informationen nur dann leicht verständlich sind, wenn maximal 7 Informationseinheiten beteiligt sind. Unter den genannten Randbedingungen sollten es nur fünf Informationseinheiten sein. Muss der Empfänger mehr als diese Datenmenge aufnehmen, ehe er sie vollständig verarbeiten kann, kommt die Meldung nicht im bewussten Gedächtnis an.

Was das für meine Arbeit bedeutet, zeige ich im Folgenden am Deutschland-Rundspruch 7/2020:

  • ENAMS - Auslieferung der Serienanlagen hat begonnen

So eine Überschrift kann man mal riskieren. Vielleicht erregt die Buchstabensuppe erst mal Neugier.

  • Am 7. Februar übergab der ENAMS-Projektleiter Klaus Eichel, DL6SES, die erste ENAMS-Serienanlage an den Vorsitzenden des Vorstandes des DARC e.V., Christian Entsfellner, DL3MBG. Mit insgesamt 55 Anlagen dieser Art...

Jetzt taucht die Buchstabensuppe zweimal innerhalb eines Satzes auf. Der Rest weckt Assotiationen zu der Vorsitzende des Staatsrates etc, etc. Ergebnis: Die meisten Hörer steigen aus.

  • Mit insgesamt 55 Anlagen dieser Art ermittelt der DARC e.V. damit in Deutschland...

Erst Gehirn einschalten und dann in die Tasten greifen! Das damit ist eine Referenz, die beim Hören nur schwer aufzulösen ist. Zudem stimmt die Zeit nicht: Der DARC macht das alles noch längst nicht. Das ist ja der Sinn der ganzen Meldung! Das geht doch viel einfacher: Mit 55 dieser Anlagen will der DARC...

  • ...den Grundstörpegel ITU-konform im Frequenzbereich von 100 kHz bis 31 MHz.

Zählen wir mal die Informationseinheiten: "insgesamt 55 Anlagen", "ermittelt", "DARC e.V.", "in Deutschland", "Grundstörpegel", ITU-konform", Frequenzbereich", "100 kHz bis 31 MHz". Ich zähle 8 Informationseinheiten, wobei "ITU-konform" eine extrem schwierige Nuss ist. Dazu der Stolperstein "damit" von oben. Das funktioniert so nicht!

  • Ziel ist es, die Veränderung des Grundstörpegels im Interesse des Amateurfunks, aber auch der Verbraucher, wie er durch zunehmenden Einsatz oft gar nicht oder nur mangelhaft entstörter elektronischer Geräte verursacht wird, aufzuzeigen.

Das ist ein Klammersatz mit mehreren Einschüben. Macht aber nix, kriegt eh' keiner mehr mit. Aber halten wir mal das "mangelhaft entstört" fest.

  • Auch kann der durch allgemeine Haushaltselektronik oder z.B. durch PLC, VDSL und Schaltnetzteile erzeugte Störnebel gemessen und dessen Entwicklung dokumentiert werden.

Das ist in weiten Grenzen das Gleiche wie im Satz davor. Nachdem das aber getrennt dargestellt wird, sollte das doch was Anderes sein – oder vielleicht nicht? Um das zu zerlegen und einzuordnen, ist beim Hören des Rundspruchs keine Zeit.

  • Das System ist für eine Einsatzdauer von mehr als fünf Jahren konzipiert.

Das ist der erste vernünftig formulierte Satz der ganzen Meldung.

  • Die Abkürzung ENAMS steht für "Electrical Noise Area Monitoring System" und beschreibt ein System zur flächendeckenden Bewertung der elektromagnetischen Umwelt.

'luja! Endlich wird die Buchstabensuppe aus der Überschrift aufgeklärt! Ich bezeichne so etwas als Rucksack. Mein Standardbeispiel aus dem Bereich der Bedienungsanleitungen: So machen Sie XXX: Tun sie YYY. Aber vorher müssen sie ZZZ tun. Im Klartext: Dem Autor fiel auf, dass er was vergessen hat. Also schreibt er es hin, als es ihm einfiel. Nach der sachlogischen Reihenfolge gehört es aber wo ganz anders hin.

  • Es wurde durch die Fördermittel der Mitgliedschaft Pro aus dem Jahr 2018 finanziert.

Das gehört tatsächlich hinten in die Meldung rein.

  • Weitere Informationen zum System können Sie in den folgenden CQ DL-Artikeln nachlesen: "Mess-System für elektromagnetische Störungen" erschienen in CQ DL 12/17 auf S. 15ff. und "Aktive Empfangsantenne für ENAMS" in CQ DL 2/18, S. 49ff.

Hier wäre es mehr gewesen, nur pauschal auf die beiden Hefte der Vereinszeitschrift hinzuweisen. Beim Hören kann sich das keiner merken und es auch nicht so schnell mitschreiben. "12/17, 2/18" hätte man mitschreiben können.

Als Kontrast hier meine Fassung dieser Meldung, wie sie im Oberbayern-Rundspruch verlesen wurde:

ENAMS - Auslieferung der Serienanlagen hat begonnen

ENAMS steht für "Electrical Noise Area Monitoring System" und beschreibt ein System zur flächendeckenden Bewertung der elektromagnetischen Umwelt.

Am 7. Februar übergab der ENAMS-Projektleiter Klaus Eichel, DL6SES, die erste ENAMS-Serienanlage an den Vorsitzenden des Vorstandes des DARC e.V., Christian Entsfellner, DL3MBG. Mit 55 dieser Anlagen will der der DARC e.V. den Grundstörpegel in Deutschland ITU-konform ermitteln. Gemessen wird im Frequenzbereich von 100 kHz bis 31 MHz.

Dieses Langfristprojekt soll die Veränderung des Grundstörpegels dokumentieren, wie er durch zunehmenden, flächendeckenden Einsatz von Schaltnetzteilen und Digitalelektronik aller Art erzeugt wird. Viele dieser Geräte sind mangelhaft entstört. Diese Untersuchung ist im Interesse des Amateurfunks, aber auch im Interesse der Verbraucher.

Das System ist für eine Einsatzdauer von mehr als fünf Jahren konzipiert. Es wurde durch die Fördermittel der Mitgliedschaft Pro aus dem Jahr 2018 finanziert.

Weitere Informationen zum System können Sie in den folgenden CQ DL-Artikeln nachlesen: "Mess-System für elektromagnetische Störungen" erschienen in CQ DL 12/17 auf S. 15ff. und "Aktive Empfangsantenne für ENAMS" in CQ DL 2/18, S. 49ff.

Vonwegen der Quellenangaben und einiger anderer Punkte wollte ich keine überflüssigen Angriffspunkte bieten. Aber der Kontrast sollte deutlich sein.

Noch ein Beispiel: gleich die folgende Meldung

AMSAT wählt Clayton Coleman, W5PFG, zum Präsidenten

Während einer Telekonferenz wählte der AMSAT-Vorstand Clayton Coleman, W5PFG, aus Granbury, Texas (USA), zum AMSAT-Präsidenten. Coleman war von 2017 bis 2019 Mitglied des Vorstands und Sekretär der AMSAT und hat sich in verschiedenen anderen Funktionen für die AMSAT eingesetzt, unter anderem als Vorsitzender des AMSAT-Weltraumsymposiums 2016. Er tritt die Nachfolge von Joe Spier, K6WAO, an, der kürzlich aus persönlichen Gründen zurückgetreten ist, nachdem er seit Oktober 2017 im Amt war.

Coleman wurde durch das SAREX-Programm – dem Vorläuferprogramm von ARISS - und die russische Raumstation MIR an das Thema Amateurfunk im Weltraum herangeführt. Sein Interesse an der Einrichtung einer AX.25-Mailbox und von Knotenpunkten Anfang der 1990er Jahre veranlasste ihn dazu, zu versuchen, über das Mir Personal Message System (PMS) und Digipeater Kontakte zu knüpfen. Im Jahr 2011 begann Coleman, sich für OSCARs zu interessieren. Coleman wird sich als Präsident darauf konzentrieren, mit den Mitgliedern zusammenzuarbeiten, um die organisatorischen Prozesse zu verbessern und sie auf die strategischen Ziele auszurichten. Beruflich ist Coleman im Bereich der industriellen Prozesssteuerung sowohl als Berater als auch als Manager für Geschäftsentwicklung tätig. Darüber berichtet der amerikanische Amateurfunkverband ARRL mit Verweis auf die AMSAT-Webseite.

AMSAT wählt Clayton Coleman, W5PFG, zum Präsidenten

In einer Telekonferenz wählte der AMSAT-Vorstand einen neuen Präsidenten. Darüber berichtet der amerikanische Amateurfunkverband ARRL mit Verweis auf die AMSAT-Webseite.

Gewählt wurde Clayton Coleman, W5PFG, aus Granbury, Texas, USA. Coleman war von 2017 bis 2019 Mitglied des Vorstands und Sekretär der AMSAT. Er hat sich schon in verschiedenen anderen Funktionen für die AMSAT eingesetzt, unter anderem als Vorsitzender des AMSAT-Weltraumsymposiums 2016.

Er folgt auf Joe Spier, K6WAO, der aus persönlichen Gründen zurücktrat. Joe war seit Oktober 2017 im Amt.

Coleman wurde durch das SAREX-Programm an das Thema Amateurfunk im Weltraum herangeführt. SAREX war das Vorläuferprogramm von ARISS, in dessen Rahmen heute auf der ISS Amateurfunk betrieben wird.

Anfang der 1990er Jahre interessierte er sich für die Einrichtung einer AX.25-Mailbox und von Knotenpunkten. Das veranlasste ihn zu Versuchen, über das Mir Personal Message System (PMS) und Digipeater Kontakte zu knüpfen. Seit 2011 beschäftigt sich Coleman, sich mit Amateurfunk-Satelliten.

Coleman will sich als Präsident darauf konzentrieren, mit den Mitgliedern zusammen die organisatorischen Prozesse zu verbessern und sie auf die strategischen Ziele auszurichten.

Beruflich ist Coleman im Bereich der industriellen Prozesssteuerung sowohl als Berater als auch als Manager für Geschäftsentwicklung tätig.

Über die Unfähigkeit des DARC-Redakteurs klage ich seit Jahren. Das habe ich auch schon mal in Friedrichshafen vor dem versammelten Vorstand und in Anwesenheit des Schuldigen ausgeführt. Fast jeder aus der Führungsebene des DARC, den ich bislang darauf ansprach, erwies sich als Teil des Problems: DL3MBG hält milde lächelnd seine schützende Hand über den Dilettanten. Ansonsten kommt das Argument der Kosten. Aus dem gleichen Mund wurde mir der Hotelkauf mit dem Anlage-Notstand des DARC begründet.

Man fasst sich nur noch an's Hirn: Dieser Mann ist das wichtigste Sprachrohr des DARC gegenüber der Öffentlichkeit. Da darf es auf 20.000 EUR im Jahr nicht ankommen. Da muss man dem Hübschen halt ein paar ausführlich begründete Abmahnungen wegen mangelhafter Arbeit aussprechen, einen fähigeren Ersatz suchen und ihm dann ins Gesicht sagen, dass man ihn nicht mehr brauchen kann. Ja, ist Arbeit. Ja, ist unangenehm. Begründungen liefere ich hier ausreichend.

TOP
Alexander von Obert * http://www.dl4no.de/thema/dendeuts.htm
Letzte Änderung: 16.02.20 (Erstfassung)


Startseite
Suche

Oberbayern-Rundspruch

Den Deutschland-Rundspruch sendetauglich machen
Die Webseite der Woche