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Rufzeichen und Lizenzklassen in der Bundesrepublik Deutschland


Seit 1949 gibt es bei uns ein Amateurfunkgesetz. Seitdem wurden diverse Rufzeichenblöcke und Lizenzklassen eingeführt. Hier ein kleiner Überblick dazu.

Die Lizenzklassen seit 1949

Am Anfang war es ganz einfach: Nach der Lizenzprüfung bekam man die Klasse A – so zusagen die Anfängerlizenz. Nach einem Jahr wechselte man dann in die Klasse B. Die Morseprüfung musste man mit 60 Buchstaben/min bestehen.

Der Unterschied zwischen den Lizenzklassen war die erlaubte Sendeleistung, die über die Anodenverlustleistung der Endstufenröhren begrenzt war: Die Anfänger konnten mit 20 W Anodenverlustleistung in CW vielleicht 50 W HF erzeugen; in AM kam man vielleicht auf 15 W Trägerleistung. Mit 50 W Anodenverlustleistung gab es entsprechend mehr Dampf. Ansonsten konnte sich jeder selbst überlegen, wie stark er seinen Röhren rote Backen zumutete. Ich erinnere mich an einen OM, der alle paar Worte die Sendetaste losließ, um seinen Röhren eine kurze Erholungspause zu gönnen.

So blieb es bis 1967. Damals wurde die Klasse C eingeführt. Die Prüfung zwischen den Klassen A und C unterschied sich nur dadurch, dass für die Klasse C die Morseprüfung entfiel. Die Idee dabei war, den schwierigsten Prüfungsteil später nachholen zu können. Die C-Lizenzen wurden anfangs durch ein angehängtes X gekennzeichnet. Außer einem A für einen zweiten, angemeldeten, festen Standort gab es damals keinen dritten Suffixbuchstaben.

Es zeigte sich, dass viele OMs mit ihren Möglichkeiten auf UKW durchaus zufrieden waren und deshalb keine Morseprüfung anstrebten. So gaben die Oberpostdirektionen bald getrennte Rufzeichenblöcke für die C-Lizenzen aus. Man muss dabei bedenken, dass Ende der 1960er Jahre der professionelle UKW-Funkbetrieb vom 50-kHz- auf das 25-kHz-Raster umgestellt wurde und deshalb viele FM-Quarzgräber wie Taxifunkgeräte auf dem Gebrauchtmarkt erschienen. Das führte auch zu den ersten FM-Relais im 2m-Band, deren erstes 1969 auf dem Moritzberg östlich von Nürnberg stand. Man konnte also für wenig Geld Geräte kaufen, die sich mit geringem Aufwand umbauen ließen, und damit recht beachtliche Entferungen überbrücken.

Die nächste Änderung gab es 1980: Die alte Klasse A wurde in die Klasse B überführt – nach der entsprechenden Prüfung bekam man also gleich die Klasse B. Die neue Klasse A forderte nur noch eine Morseprüfung mit 30 Buchstaben/min. Dafür waren die Möglichkeiten auf der Kurzwelle gegenüber der Klasse B eingeschränkt.

1998 wurden wieder die Klasse A und die Klasse B zusammengeführt und als Klasse 1 bezeichnet. Die Klasse C wurde zur Klasse 2. Zusätzlich wurde die Einsteigerklasse 3 mit vereinfachter Prüfung und ohne Morseprüfung eingeführt.

Nachdem Anfang des neuen Jahrtausends die internationale Vereinbarung Kurzwelle nur mit Morseprüfung aufgegeben wurde, wurden 2005 die Klasse 1 und 2 zu einer neuen Klasse A vereinigt und die Klasse 3 zur Klasse E. Zusätzlich dürfen seitdem OMs mit Klasse E auch mit begrenzter Sendeleistung auf einigen Kurzwellenbändern arbeiten.

Die Rufzeichenblöcke

rufzeichenliste_1950

Ab 1949 wurden folgende Rufzeichenblöcke ausgegeben, jeweils mit zwei Suffixbuchstaben:

  • DL1 und DL3 für Bürger der drei Westzonen bzw. der Bundesrepublik Deutschland [1]
  • DL2 für britische Militärangehörige [6]
  • DL4 für amerikanische Militärangehörige
  • DL5 für französische Militärangehörige
  • DL6 für Bürger der Bundesrepublik Deutschland, als 1950 DL1 und DL3 aufgebraucht waren [2].
  • DL7 für Westberlin; auch Clubstationen, z.B. DL7AC "DARC US Sector"
  • DL0 für Clubstationen in der Bundesrepubik Deutschland (unpersönliche Rufzeichen)

Anschließend kamen dann auch DL9 und DL8 an die Reihe [5]. Spätestens ab 1953 wurden auch DJ-Rufzeichen ausgegeben [4], [8]. 1957 wurden beispielsweise DJ4-Rufzeichen ausgegeben [5]. DJ0 war für zivile Ausländer reserviert – ein Ansatz, den die BNetzA mittlerweile aufgab. Ab einem mir noch nicht bekannten Zeitpunkt wurden an die militärischen Ausländer DA-Rufzeichen ausgegeben: Aus DL4 wurde DA1, aus DL2 und DL5 wohl DA2.

Anscheinend wurden die Rufzeichen der ausländischen Militärangehörigen nicht unbedingt über deutsche Lizenzprüfungen vergeben. So findet sich in [7] der Hinweis: Licensed U.K. operators in the Services [...] can obtain a DL2 licence for amateur operation in Germany on application to: Joint Communications Electronics Board, British Forces Germany, c/o Hq. B.A.O.R., B.F.P.O. 40..

Die meisten Rufzeichen aus den 1960er Jahren bekamen den Präfix DK, wobei DK0 wieder für Clubrufzeichen reserviert war.

Frühe Rufzeichen mit 3 Suffixbuchstaben

1967, es wurden gerade DK2-Rufzeichen ausgegeben, wurde die C-Lizenz ohne Morseprüfung (nur UKW) eingeführt. Die ersten C-Lizenzen bekamen so Rufzeichen nach dem Muster DK2xxX – ich erinnere mich noch an Manni, DK2EKX.

Nachdem sich das mit dem Zwischenstadium bis zur Morseprüfung doch nicht so entwickelte, bekamen die C-Lizenzler bald DC- und dann DB-Rufzeichen. DB0 wurde anfangs für Clubstationen benutzt, deren Verantwortliche die Klasse C besaßen, sowie für automatische Stationen auf 2m und höher.

Es gab noch zwei weitere Gründe für drei Suffix-Buchstaben: Mitbenutzer-Lizenzen wie Hedi, DL9XJM, die XYL von DL9XJ in Bremen [9], und Kennzeichnung eines zweiten festen Standorts. Während meiner Bundeswehrzeit nutzte ich DL4NOA, wenn ich von der Kaserne aus funkte.

Für Sonderstationen gab es meiner Erinnerung nach auch damals schon gelegentlich Rufzeichen mit drei Suffix-Buchstaben. Solche Rufzeichen waren aber lange die absolute Ausnahme.

Entwicklungen ab den späten 1960er Jahren

DB0-Calls für Clubstationen wurden immer seltener. Spätestens mit dem Ende der Morseprüfungen gibt es wohl keinen Grund mehr für Clubrufzeichen mit UKW-Call. Heute sind wohl so ziemlich alle DB0-Rufzeichen für automatische Stationen, z.B. Relais vergeben. Automatische Stationen im Kurzwellenbereich benutzen DL0- oder DK0-Rufzeichen, z.B. die Bake DL0IGI. Heute gibt es auch die anderen, nach ITU-Vorgaben möglichen deutschen Präfixe; allerdings nur für Sonderstationen, etwa DP0POL, die deutsche Antarktisstation.

So langsam füllten sich die Rufzeichenblöcke. Für die C-Lizenz wurden noch die Präfixe DG und DD eingeführt, für die A-Lizenz DF. Anfang der 1970er Jahre gab es dann eine große Aufräumaktion: Die letzten militärischen Ausländer wurden zwangsweise nach DA umgetauft – ich erinnere mich noch an Fred, DL4SF, der plötzlich DA1SF hieß. die letzten DK2xxX-Rufzeichen bekamen reguläre C-Lizenz-Calls. 1974-75 wurden die Blöcke DL4 und DL5 an Bürger der Bundesrepublik Deutschland als Klasse-B-Rufzeichen ausgegeben.

Diese Maßnahmen konnten den bisherigen Namensraum bis Ende der 1970er Jahre stecken: Die Bundesrepublik hatte nur DA bis DL zur Verfügung; DM bis DT gehörte der DDR und DU bis DZ nutzen bis heute die Philipinen. DE sollte wegen der DE-Nummern (Deutscher Empfänger, vom DARC für die Vermittlung von Hörerkarten eingerichtet) nicht benutzt werden und DH wurde ab 1980 für die neue Klasse A benutzt. Der Ausweg war die Ausgabe von Rufzeichen mit drei Suffix-Buchstaben.

Mit der Wende 1989 bekam die Bundesrepublik Deutschland von der ITU auch den Rufzeichenblock DM bis DT zugeteilt. So konnte man 1998 der Klasse 3/Klasse E den Rufzeichenblock DO zuordnen. Auch DM gibt es wieder, als Klasse-A-Rufzeichen. So mancher OM bekam so sein altes DDR-Rufzeichen zurück, nachdem die DDR ihren Funkamateuren 1979 Y2-Rufzeichen zugeteilt hatte.

Wiedervergabe von Rufzeichen

Rufzeichen werden dem OM zugeteilt, sind aber nicht dessen Eigentum. Es gibt diverse OMs, die die Lust am Hobby verloren. aber irgendwann doch wieder eine Lizenz haben wollten. So lange die entsprechenden Unterlagen bei der Bundesnetzagentur noch vorhanden sind, kommen diese OMs wohl ohne erneute Prüfung zu einer Lizenz. Aber ihr altes Rufzeichen ist dann häufig futsch und sie bekommen ein neues Rufzeichen.

Anders herum gibt es OMs, die sich für den Vorbesitzer ihres Calls interessieren. Den Namen bekommt man entweder über eine alte Rufzeichenliste heraus – die gab es früher als offizielles Druckwerk der deutschen Bundespost zu kaufen und hatte das Format eines Telefonbuchs. In größeren Abständen erstellt die BNetzA eine Rufzeichenliste im PDF-Format zum Herunterladen [3].

Wer auf diesen Wegen nicht weiterkommt, kann sich an das Dokumentationsarchiv zur Erforschung der Geschichte des Funkwesens und der elektronischen Medien (aka QSL-Karten-Archiv) wenden: Ein OM bekam von dort die Kopie einer QSL-Karte seines Rufzeichenvorgängers aus dem Jahr 1954. Auf der Karte mit dem DL4-Rufzeichen war auch ein W2-Rufzeichen und der Name. Über diese Website fand er zu mir und ich fand den Namen im Friedhofsverzeichnis einer Kleinstadt in Neuengland, was zum W2-Call passt. Gut möglich, dass der gesuchte OM 1997 starb und auf diesem Friedhof liegt.

Aus dieser Episode kann man auch erkennen, wie viel Glück wir mit unseren Vergabesystem haben: In vielen Ländern, früher auch in den USA, konnte man nach dem Umzug in einen anderen Rufzeichendistrikt sein altes Rufzeichen verlieren. So lange wir die Lizenzklasse nicht wechseln und das Rufzeichen nicht freiwillig zurückgeben, können wir das Call als Teil unserer Identität benutzen. Wenn ich zu einem fremden Funkamateurtreffen gehe, stelle ich mich vor als Alexander, DL4NO. Dann kommt immer wieder die Gegenfrage: Bist Du der mit der Kurzwellen-Mobilstation? Anscheinend hat diese Website doch einen gewissen Bekanntheitsgrad...

Die Gründergeneration ist abgetreten

Anfang 2015 glich ich die Liste [1] mit den aktuellen Beständen der Bundesnetzagentur ab. Die rund 1.500 Rufzeichen (DL1, DL3, DL7) waren ganz überwiegend vergeben, aber nur noch rund 60 davon an die Erstbesitzer.

Zwei davon fand ich, die sogar noch (oder wieder) an den gleichen Adressen wohnen. Das DL1-Rufzeichen eines früheren Nachbarn benutzt jetzt seine Tochter. Bei den neuen Besitzern fällt auf, dass sie das Rufzeichen häufig zu ihren Initialen passend ausgesucht haben.

Rufzeichenzuteilung_1975

Die BNetzA hat heute viel mehr Freiheiten bei der Rufzeichenvergabe als damals bei mir in den 1970ern: Jede Oberpostdirektion hatte ein Kontingent nach dem ersten Suffix-Buchstaben. Zum "N" konnte ich mir neben einem DF-Präfix letztlich nur noch den letzten Buchstaben aussuchen. Das tat ich anhand des Morse-Alphabets. Ich erinnere mich, dass der für den Amateurfunk zuständige Beamte der Oberpostdirektion (OPD) eine Kladde hatte, in der es für jedes Rufzeichen aus seinem Kontingent ein Feld gab. Dort trug er nach bestandener Prüfung die persönlichen Daten ein, so dass man sein Rufzeichen gleich mitnehmen konnte. Deshalb wurde das Rufzeichen im Bescheid auch handschriftlich eingetragen. Das war die Zeit als die ersten Firmen als Begründung für irgendwelche Verzögerungen angaben, dass sie gerade auf EDV umstellten.

Einige der Rufzeichen haben sicher nicht nur für mich einen speziellen Klang. Manche dieser Rufzeichen würde ich mir deshalb nicht zuteilen lassen, etwa DL1BU – ich käme mir vor wie ein Geist. Aber auch solches Wissen geht den Weg alles Irdischen.


Literaturhinweise

[1] Rufzeichenliste der deutschen Amateur-Funkstellen
Beilage zur"CQ" 2/1950, herausgegeben von Deutschen Amateur Radio Club
Diese Liste liegt mir vor. Auch wenn die Daten 65 Jahre alt sind, sind des personenbezogene Daten. Deshalb werde ich sie nicht einfach ins Internet stellen. Aber mit einer vernünftigen Begründung kann man von mir eine PDF-Datei bekommen.
[2] Hornsteiner, Matthias (DG4MHM): 90 Jahre Amateurfunk im Kloster Ettal
In: Funkamateur 6/2014, S. 608ff
[3] Rufzeichenliste der Bundesnetzagentur als PDF-Download: http://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Downloads/DE/Sachgebiete/Telekommunikation/Unternehmen_Institutionen/ Frequenzen/Amateurfunk/Rufzeichenliste/Rufzeichenliste_AFU.pdf?__blob=publicationFile&v=5
[4] Brandt, H.J. (DJ1ZB): Erinnerungen eines Oldtimers (14)
in: cqDL 10/2015, S. 45
[5] Wengert, Dieter (DJ4DM): Erinnerungen eines Oldtimers (17)
in: cqDL 12/2015, S. 48
[6] (ohne Autorenangabe) The Other Man's Station: DL2BC
in: The Stort Wave Magazine, March 1960, p. 43 (London, GB)
Vorstellung der Station von Sgt. John Akehust, Royal Signals, 212 Signal Squadron, B.F.P.O.36 in Osnabrück
[7] (ohne Autorenangabe) Obtaining DL2 Licences
in: The Stort Wave Magazine, April 1960, p. 101 (London, GB)
[8] Sengbusch, C.H., von (DJ2DK): Erinnerungen eines Oldtimers (23)
in: cqDL 5/2016, S. 52f
[9] Grabau, R. (DJ3FO): Erinnerungen eines Oldtimers (28)
in: cqDL 11/2016. S, 44f
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Alexander von Obert * http://www.dl4no.de/thema/rufzeich.htm
Letzte Änderung: 20.10.16 ('Frühe Rufzeichen mit 3 Suffixbuchstaben' ergänzt)


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