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Blackout (4): Was und wie viel bevorraten?


Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Karastrophenhilfe empfiehlt in seinem Ratgeber [12], einen Notvorrat für 10 Tage anzulegen. Bei den hiesigen Mietpreisen stoßen viele damit schon an räumliche Grenzen.

10 Tage können lang sein!

Dosenbrot Das Hauptproblem ist der Wasservorrat: Die absolute Untergrenze sind 2 Liter pro Tag und Person – macht für ein Paar über 10 Tage 40 l. Das ist kaum mehr als das Trinkwasser, ohne Kochen und Hygiene! Da kann man nur hoffen, dass das Wasserwerk möglichst lange liefern kann. Der begrenzende Faktor ist eher das Abwasser, weil hier an vielen Stellen (Schöpfwerke) und ziemlich viel Strom (Kläranlage) benötigt wird. Wer im Hochhaus wohnt, sollte die Hausverwaltung nach der Notstromversorgung der Druckerhöhungspumpe fragen oder sich mit einem Mieter im Erdgeschoss anfreunden. Viel Spaß beim Treppenlaufen!

Essensvorräte sehe ich bedeutend entspannter: Schon beim Discounter gibt es viele Produkte, deren Mindest-Haltbarkeitsdatum (MHD) 2-3 Jahre in der Zukunft liegt. Bei Konserven bevorzuge ich Gläser, aus zwei Gründen:

  • Man kann den Inhalt jederzeit optisch prüfen.
  • Die Gefahr ist geringer, dass Stoffe aus der Blechbeschichtung in das Lebensmittel übergehen. Das gilt besonders, wenn man das MHD ausnutzen oder gar überschreiten will.

 

Sauerkirschen Zum Anlegen des Vorrats sollte man Sonderangebote nutzen. Gewöhnlich nimmt man bei so einer Gelegenheit 2-3 Packungen mit. Häufig wird man aber zur Erkenntnis kommen, dass man innerhalb des MHD sowieso 10 Packungen davon verbrauchen wird. Typisches Beispiel: Tomatenprodukte.

Häufig sind Sonderangebote Artikel, die nicht zum Dauersortiment gehören. Hier kann man richtig Schnäppchen machen, etwa bei Büchsenbrot. In vielleicht jährlichem Abstand kann man da beispielsweise bei Aldi Süd zuschlagen, zu einem Drittel der Preise im einschlägigen Fachhandel. Den kartonweisen Verkauf von Konserven sah ich zuerst auch bei Aldi. Aber Lidl macht da auch mit (unten). Die Beispiel stammen aus dem Juni 2021,

Das Mindest-Haltbarkeitsdatum genauer betrachtet

Ich halte wenig davon, für den Notfallvorrat Dinge zu kaufen, die man unter normalen Umständen nie essen würde. Mein Vorschlag ist eher, seine Einkäufe längerfristig zu planen, vor allem bei länger haltbaren Produkten. Deshalb die folgende Diskussion des MHD. Man muss sich aber auch Gedanken über die Zubereitung machen: Eine Büchse Ravioli kann man im Ernstfall einfach öffnen und essen. Nudeln muss man kochen, wofür man relativ viel Wasser und eine Kochmöglichkeit braucht.

Bis zum aufgedruckten Datum garantiert der Hersteller die einwandfreie Qualität eines Produktes. Der Hersteller wird sich beim MHD selten weit aus dem Fenster lehnen, sondern einen Wert aufdrucken, der den Vertrieb nicht wesentlich behindert oder gesetzlich vorgeschrieben ist. Das MHD ist übrigens zu unterscheiden von der Datumsangabe zu verbrauchen bis, die auf leicht verderblichen Waren wie frischem Hackfleisch steht: Dieses Datum sollte man wirklich beachten!

Honig und Salz ohne Zusätze sind praktisch unbegrenzt haltbar. Getrocknete Hülsenfrüchte, Haferflocken, Nudeln, Getreide usw. sind, sachgerecht gelagert und vor Ungeziefer geschützt, sehr viel länger haltbar. Zum Testen solcher Produkte hat uns die Evolution mit Nase und Gaumen ausgerüstet.

So tauchten nach dem Tod der Oma 5 kg Haferflocken auf. Das ist wirklich eine große Menge! Bis wir die alle aufgearbeitet hatten, waren sie 8 Jahre über das MHD hinaus – ohne Beeinträchtigungen bei Geschmack oder Verträglichkeit.

Grundsatz: Je trockener und fettärmer ein pflanzliches Produkt ist, um so länger kann man es lagern. Beispielsweise Nüsse werden nach z.B. 2 Jahren ranzig.

Meine Art der Vorratshaltung hat einen Nachteil: Man muss sich regelmäßig darum kümmern. Der Speiseplan muss berücksichtigen, was an Vorräten langsam weg muss. Die neueren Packungen müssen im Regal nach hinten, damit es keine Ladenhüter gibt, die irgendwann verderben. Spontan zum Supermarkt sprinten ist auch keine so sehr gute Idee mehr: Man sollte eine Idee haben, was daheim rumliegt.

Für welchen Zeitraum einlagern?

Wer irgend kann, sollte Vorräte für wenigstens drei Wochen anlegen:

  • Wenn das Europäische Verbudnetz großflächig zusammenbrechen sollte (Blackout), dauert die Wieder-Inbetriebnahme geschätzt 10-14 Tage [13]. Garantieren kann das niemand, vor allem wegen des zunehmenden Anteils von regenerativem Zappelstrom, der häufig ungesteuert ins Netz eingespeist wird. Da werden viele Schaltvorgänge nur bei Dunkelheit möglich sein.
  • Ohne Strom funktioniert auch keine Kasse und keine Kühltheke. Die Läden werden sofort dunkel. Das Personal hat keine andere Chance, als die Kunden ohne Ware aus dem Laden zu schicken und zuzusperren. So geschah das beispielsweise beim Kälteeinbruch in Texas im Frühjahr 2021 [14].
  • Wenn der Strom wieder kommt, sind viele Lebensmittel längst verdorben. Wenn noch etwas in den Regalen steht, ist es sofort ausverkauft. Stichwort WC-Papier, Stichwort Hefe.
  • Bis die Logistik der Lebensmittelhändler wieder funktioniert, vergehen weitere Tage, die man überbrücken muss. In einem chaotischen Hochregallager weiß nur der Computer, wo eine bestimmte Palette eingelagert ist. Ohne die Flurförderfahrzeuge kommt an an die, häufig sehr hohen, Regale sowieso nicht ran. Die zugehörige IT hat wohl eine Notstromversorgung, mit der man die Server geordnet herunterfahren kann. Bleibt zu hoffen, dass man diese Rechner hinterher auch wieder problemlos hochfahren kann – aus naheliegenden Gründen wird so etwas sehr selten geprobt.
  • Ganz kritisch wird es bei Milchprodukten: Viele (vermutlich die meisten) Bauern haben kein Notstromaggregat für ihre Melk- und Kühlanlage.

Arme Kühe!

Wie lagern?

Der erste Grundsatz ist: kühl, trocken und dunkel. Außerdem muss man aufpassen, dass nicht irgendwelche Viecher schneller sind als man selber. Mäuse sind heute wohl nicht mehr das ganz große Problem, Insekten schon eher. Viele Dinge kann man in Büchsen oder Gläsern lagern, egal ob konserviert oder nicht. Getreideprodukte kann man prophylaktisch einfrieren – zweimal im Abstand von vielleicht vier Tagen. Falls Motten Eier gelegt haben, wird das Einfrieren zwar die Tiere töten, nicht aber die Eier. Die mittlerweile geschlüpfte Brut erwischt man dann beim zweiten Einfrieren. Nachdem in Getreideprodukten wie Haferflocken oder Mehl praktisch kein Wasser drin ist, frieren die auch nicht im üblichen Sinn ein, es bilden sich also keine Eiskristalle. Also gilt auch nicht, dass man Lebensmittel nicht zweimal einfrieren sollte.

Gut eignen sich Kunststoffkisten mit Deckel, die möglichst dicht zu sind. Die gibt es in vielen Ausführungen, z.B. ganz flach mit Rollen drunter. So kann man auch den Raum unter dem Bett nutzen. Auch solche Kisten bekommt man immer wieder im Sonderangebot. Da habe ich neulich zugeschlagen: Wenn man bei einem bestimmten Händler für mindestens 200 EUR einkaufte, gab es ein ganzes Set an Kunststoffkisten mit Deckel als Dreingabe. Die größte Kiste hat über 80 l Volumen, das Set kostet gewöhnlich rund 50 EUR.

Eine kürzere Fassung dieses Artikels erschien in der Ausgabe 5/2021 der Amateurfunk-Zeitschrift cqDL auf Seite 77.

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Alexander von Obert * http://www.dl4no.de/thema/blackou0.htm
Letzte Änderung: 07.06.21 (Erstfassung)


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