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Katastrophenvorbereitung (4): Auswahl lizenzfreier Funkgeräte


Diese Seite richtet sich an Funkamateure und andere Fachleute in Sachen Funk. Die folgenden Gedanken sollen helfen, die richtigen Funkgeräte für die eigene Nachbarschaft auszusuchen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die große Mehrheit der Mitbürger sich höchstens unwillig mit allgemeinen Lebensrisiken auseinandersetzen will. Der Ausfall aller normalen Kommunikationsmedien ist so ein Thema, obwohl es dabei durchaus um Menschenleben gehen kann. Wir legen schließlich auch bei jeder Autofahrt den Sicherheitsgut an, obwohl kaum jemand von uns ihn je brauchen wird. Es führt deshalb kaum ein Weg daran vorbei, dass wir mit passenden Funkgeräten in Vorleistung gehen. Warum eigentlich?

  • Ganz offensichtlich ist der Bedarf bei pflegebedürftigen Personen. Die haben häufig einen Notfallknopf, mit dem sie Hilfe herbeirufen können. Dazu gehört ein spezieller Telefonapparat, der auf Knopfdruck eine Verbindung zu einer Notfallzentrale herstellt. Dieser Telefonapparat enthält u.a. eine Freisprecheinrichtung mit sehr empfindlichem Mikrofon, um den Anrufer auch im Nachbarzimmer noch ansprechen zu können. Sobald der Strom ausfällt, bricht diese Infrastruktur zusammen und die pflegebedürftigen Personen sind auf Gedeih und Verderb auf ihre Nachbarschaft angewiesen – und auf ein Funkgerät mit Vox-Funktion, um Hilfe rufen zu können.
  • Nach wenigen Tagen Stromausfall kann die Sicherheitslage prekär werden [3]. Dann will niemand mehr aus dem Haus. Aber wenn es schon sein muss, sollte man wenigstens um Hilfe rufen können.
  • In vielen Nachbarschaften wird viel telefoniert oder es gehen Chatnachrichten hin und her. Gerade in Katastrophensituationen wäre so eine Infrastruktur wertvoll, funktioniert aber nicht mehr wie gewohnt.

Welche Eigenschaften sollte ein Funkgerät haben, das in solchen Fällen eingesetzt werden soll?

  • Das Funkgerät muss lizenzfrei nutzbar sein. In Deutschland gibt es dafür drei Möglichkeiten, die ich schon erläutert habe. CB-Fúnk wird man nur nutzen, wenn man die damit mögliche Reichweite braucht. Bleiben Freenet umd PMR. Billige Funkgeräte gibt es vor allem für PMR. Dort tümmeln sich allerdings auch viele Kinder. Zu normalen Zeiten ist es auf 149 MHz viel ruhiger. In Prepper-Kreisen ist ein China-Kracher der 30-EUR-Klasse beliebt. Damit dürfen aber höchstens Funkamateure senden. In der Schweiz ist der Vertrieb und Besitz dieses Gerätes wegen seiner Nebenaussendungen verboten. Als Fachmann solche Geräte Laien zur Verfügung zu stellen dürfte problematisch sein.
  • Wenn man mit 10 Geräten oder so in Vorleistung geht, müssen die Geräte billig sein. Ab 15 EUR Pro Gerät gibt es durchaus Brauchbares. Digitalfunk gibt es für diesen Preis allerings nicht. DRM-Geräte gibt es ab etwa 60 EUR.
  • Ich schlage vor Geräte zu wählen, die man auch mit normalen Primärzellen betreiben kann. AA-Zellen haben eine größere Kapazität als AAA-Zellen, kosten aber das Gleiche. Wenn der Notfall erst in 10 Jahren eintritt, dürften die Lithium-Akkus der Funkgeräte ziemlich hinüber sein. Primärzellen kosten im 100er-Pack 15-20 EUR und sind problemlos 5 Jahre lagerfähig.
  • Die Geräte sollten Subtöne (CTCSS) o.ä. aussenden und auswerten können. Nur so kann man für seine Gruppe empfangsbereit sein, denn die 16 PMR-Kanäle dürften dicht belegt werden. Zumindest während der ersten Tage, bis bei den meisten die Batterien leer sind.
  • Manche Geräte besitzen eine Sprachverschleierung – wohl einen Frequenzinverter. Der taucht aber nicht immer in den technischen Daten auf. Da hilft wohl nur, die zugehörige Programmierroutine herunterzuladen und dort nach entsprechenden Einstellmöglichkeiten zu suchen.
  • Sinnvoll ist eine USB-Ladebuchse. Dann kann man das Gerät mit einer Powerbank nachladen.

Damit sind wir beim nächsten Teil, das wir mit den Funkgeräten ausgeben sollten: Eine Powerbank. Die Funkgeräte sollen ja klein und leicht sein. Das schließt einen Akku aus, der mehrere Tage Betrieb ermöglicht. Mit der eigenen Solar-Notstromversorgung kann man die Powerbanks dann wieder laden.

An einer Stelle ist man aber wohl auf Selbstbau angewiesen: Dem Ersatz für da Notruf-Telefon von oben. Wenn das Funkgerät eine Vox-Funktion hat, dann ist die wohl auf Nahbesprechung ausgelegt. Dieses Problem ließe sich wohl mit einem Verstärkermodul lösen, z.B. mit dem Baustein MAX9814. Aus China gibt es die ab 2 EUR.

(Sobald ich meine Lösung obigen Problems fertig habe, werde ich diese seite erweitern.)

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Alexander von Obert * http://www.dl4no.de/thema/katastr4.htm
Letzte Änderung: 16.10.21 (Erstfassung)


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