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Ohne vieeeeeel Speicher wird die Energiewende nichts


Ein zentrales Problem ist das Fehlen von viel Speicherkapazität – ich will mich nicht streiten, ob wir statt der aktuell 37 Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland 300 oder 3000 bräuchten. Klar ist nur, dass wir so viel Speicher nicht haben und auch nicht haben werden, wenn der nächste Schwung konventionelle Kraftwerke vom Netz geht.

Das Thema will ich hier gar nicht groß auswälzen, das hat der Dresdner Physik-Professor Sigismund Kobe schon längst getan [36]. Der Kern seiner Aussage: Es gibt Zeiten, da ist es dunkel und auch großflächig weht kein Wind. Dann hilft auch eine beliebige Menge von Solaranlagen und Windrädern nichts. Mit grundlastfähigen Biomassekraftwerken kann man diese Dunkelflauten aber nicht überbrücken, weil wir in Deutschland gar nicht so viele dieser Kraftwerke betreiben könnten.

Besonders interessant wird dieses Interview durch die öffentliche Entgegnung eines Grünen-Landtagsabgeordneten [37], der selber Physiker ist. Die läuft nach dem klassischen Muster vieler Umweltschützer, heutige Probleme mit Lösungen bekämpfen zu wollen, die vielleicht irgendwann in der Zukunft zur Verfügung stehen könnten. Das ist ein sicherer Weg zum Blackout [38], [39]. Besonders dramatisch ist, dass unsere ersehnte Vorbildrolle, die wir bei der Solarenergie für die Welt so erfolgreich spielten, mit dem ersten so verursachten Blackout futsch wäre: Seht doch hin, nicht mal die Deutschen schaffen das!

Ins gleiche Horn stößt auch Hans-Werner Sinn [21], der das von der volkswirtschaftlichen Seite her beleuchtet. Eine seiner Thesen: Nur wenn wir die Braunkohle nicht mehr verstromen, sparen wir damit CO2 ein, denn die Braunkohle bleibt dann zuverlässig im Boden. Wenn wir weniger (importierte) Steinkohle verbrennen, dann reduziert das nur den Kohlepreis für die Chinesen. Beispielsweise die Australier werden so lange Kohle fördern, wie die Gestehungskosten unter dem Welmarktpreis liegen. An Kohle mangelt es den Australiern nicht.

Ähnlich handeln auch die Norweger: Die können gar nicht so viel Wasserkraft nutzen, wie sie haben. Sie dekarbonisieren ihre Wirtschaft kräftig. Aber parallel dazu verkaufen sie an Öl und Gas aus der Nordsee, was sie auf dem dem Markt profitabel absetzen können. Volkswirtschaftlich ist das logisch und nachhaltig: Norwegen steckt die Gewinne in seinen Staatsfonds, der mittlerweile einer der größten der Welt ist. Zusätzlich ist die Belastung der Bürger sehr hoch: Norwegen geht gut vorbereitet in eine stürmische Zukunft.

Nachdem das mit dem Speicher im benötigten Maß wohl auch bis 2050 nichts wird, schlage ich eine zusätzliche Lösung vor: Ein mindestens gesamteuropäisches HGÜ-Netz von Spanien bis Finnland und von den Shetlandinseln und Norwegen bis Sizilien und Griechenland. Mit Gleichstrom lassen sich große Entfernungen mit deutlich geringeren Verlusten überbrücken als mit dem herkömmlichen Drehstrom. Dann könnte man die Speicher auch über größere Entfernungen gemeinsam nutzen. Zudem ist die Chance gut, dass irgendwo in diesem Gebiet doch noch die Sonne scheint oder steifer Wind weht: Mit der Türkei erstreckt sich das europäische Verbundnetz über vier Zeitzonen.

Im Vereinigen Königreich gab es schon jetzt Wochen, in denen kein konventionelles Kraftwerk am Netz war. Aber ohne die geht es auch bei der mit Wind und Küsten verwöhnten Insel noch längst nicht.

Auffällig ist, dass viele kompetente Stimmen zum Thema von Leuten im Ruhestand kommen. Das ist aber kein Wunder: Ich erwähnte Hans-Werner Sinn einmal in einem Forum und erntete einen Shitstorm. Ganz offensichtlich kann in unserer Gesellschaft mittlerweile nicht mehr wahr sein, was nicht wahr sein darf. Deshalb bin ich dankbar, dass unsere Nachbarn im Süden das viel offener sehen [35].

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Alexander von Obert * http://www.dl4no.de/thema/ohneviee.htm
Letzte Änderung: 14.09.21 (Erstfassung)


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