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Ein Funkgeräte-Koffer


Will man die Nachbarschaft während eines Stromausfalls oder Blackout in Kontakt halten, führt kein Weg an lizenzfrei nutzbaren Funkgeräten vorbei. Meine Lösung hier lässt sich schon wegen der benutzten Restposten kaum 1:1 nachbauen, aber als Anregung könnte diese Lösung interessant sein.

Die Vorüberlegungen

Die Erfahrung zeigt, dass man für die Katastrophenvorsorge nur sehr schwer Mitkämpfer findet. Man kann schon froh sein, wenn man ernst genommen und angehört wird.

Zusätzlich sind Geräte mit Batterien nichts, was man einfach für 20 Jahre in den Schrank legen kann: Übliche Lithium-Akkus braucht man nur einmal im Jahr nachzuladen, sofern man sie außerhalb des Gerätes lagert. Primärzellen haben auch nach fünf Jahren noch genug Ladung. Aber irgendwann muss man die Batterien laden, prüfen oder austauschen. Auch kann man davon ausgehen, dass ein oder zwei Funkgeräte im Lauf der Jahre eine Ecke irgendwo hinten und unten finden, wo man sie im Dunkeln garantiert nicht wiederfindet.

Deshalb habe ich beschlossen, für meine Nachbarschaft in Vorleistung zu gehen und die Funkgeräte betriebsbereit zu halten. Im Ernstfall muss ich sie dann möglichst einfach und sicher ausliefern können. Dafür habe ich mir folgende Lösung ausgedacht:

  • Wenn es in einem Haushalt zwei oder mehr Personen gibt, bekommen sie zwei Funkgeräte. So kann einer aus dem Haus gehen, ohne völlig den Kontakt zu verlieren.
  • Viele Menschen leben heute allein. Für sie reicht ein Gerät, um in Kontakt zu bleiben.
  • Die Akkus der meisten Funkgeräte sind auf einen Arbeitstag ausgelegt. Auch wenn man das Funkgerät nur zu vereinbarten Zeiten für ein paar Minuten einschaltet, sind sie recht schnell leer. Deshalb bekommt jeder Haushalt auch noch eine Powerbank der 10-Ah-Klasse. Damit lassen sich nicht nur die Funkgeräte laden, sondern auch Lampen oder Radios. Wenn die Powerbank leer ist, können sie meine Nachbarn bei mir austauschen: So lange das Wetter leidlich sonnig ist, hat meine Solar-Notstromversorgung dafür genug Energie.
  • Zusätzlich gibt es eine Bedienungsanleitung – nicht nur für Funkgerät und Powerbank, sondern auch für die Abwicklung des Funkbetriebs.
  • Im Ernstfall will ich jedem Haushalt schnell ein Kästchen reinreichen, nicht alle aufgeführten Posten einzeln oder in einer Tüte. Das Kästchen haben sie schon mal gesehen, es gibt also im Ernstfall keinen Erklärungsbedarf mehr.

Die Lösung für den Funkgeräte-Koffer

PMR-Funkkoffer

Zugegeben: Koffer ist etwas übertrieben, aber dieser Begriff ist durchaus verbreitet – auch als Notfunk-Koffer.

Angefangen habe ich mit der Auswahl des Funkgerätes. Von den drei Möglichkeiten habe ich mich für PMR 466 MHz entschieden. Das ist die am häufigsten benutze Variante. Im Prinzip können meine Nachbarn also auch Funkgeräte nutzen, die z.B. von den Kindern schon rumliegen. Die Funkstörungen sollten sich spätestens nach drei Tagen ohne Strom in Grenzen halten, weil die meisten Akkus bis dahin leer sind. Zumindest bei den Nutzern ohne die nötige Disziplin...

Die Funkgeräte sollten möglichst einfach zu bedienen sein: Alles neben Einschalter/Lautstärkeregler, Kanalschalter und PTT (Sendetaste) ist Luxus und verkompliziert nur die Bedienung. Eine Lademöglichkeit per USB musste auch sein. Wichtig war mir die Möglichkeit, die Funkgeräte mit handelsüblichen Batterien betreiben zu können. Wenn wir sie erst in 10 Jahren brauchen, sind die mitgelieferten, gerätespezifischen Akkus wohl ziemlich hinüber. Zudem wollte ich für 10 Funkgeräte samt Zubehör auch keine 1000 EUR ausgeben. So landete ich beim Retevis RT-46, das ich wohl im Schlussverkauf für 15 EUR/Stück im Zehnerpack bekam. Obiges Pflichtenheft können aber auch andere Geräte erfüllen.

Die meisten Powerbanks haben bestenfalls 4-5 LEDs zur Ladungsanzeige. Wieder im Sonderangebot für 7,50 EUR liefen mir 3SIXT 3S-1498 über den Weg, die sogar eine numerische Ladeanzeige haben. Die ist besonders hilfreich, wenn man die Powerbanks zur schonenden Lagerung nur auf 80-85% aufladen will.

Am längsten knobelte ich an den Koffern. Lange suchte ich nach wasserdichten Gefäßen, wie man sie oft in den Kühlschrank stellt. Dann lief mir mal wieder ein Sonderposten über den Weg: ein Raspbberry Pi Zubehörkoffer 225x210x70mm. Als Polstermaterial benutzte ich Zuschnitte aus 15 mm dicken Hartschaumplatten, die wohl beim Ikeabana (die Kunst des Möbelsteckens) übrig geblieben waren: Einfach den offenen Koffer fest auf die Platte drücken und entlang der Eindrücke mit einem Messer ausschneiden. Schön geht anders, aber so kann man einen kompletten Satz klapperfrei und fallsicher transportieren. Schließlich war das Serienproduktion!

Ein wichtiges Detail zum Bild: In der oberen Tüte stecken die beiden Akkus. So stelle ich sicher, dass sie bis zum Einsatz nicht entladen werden. Auch kann ich sie so leichter nachladen: Auch im Sonderangebot lief mir mal ein Ladegerät über den Weg, das einen USB-Anschluss hat und flexibel genug ist, um an Geräte-Akkus angeschlossen zu werden. Das ist natürlich eine Bastellösung, aber so spare ich mir das Einsetzen der Akkus in die Funkgeräte. Die Aktion ist sowieso nur einmal im Jahr fällig.

Die Bedienungsanleitung

Vieles kann man einfach aus den Anleitungen der einzelnen Geräte zusammenkopieren. Interessant wird dann die Kombination:

  • Meine Powerbanks haben einen versteckten Taster, um die Ladungsanzeige einzuschalten.
  • Die Nutzer sollen die Powerbanks nicht komplett leer fahren, sondern sie mit 20-30% Restladung bei mir umtauschen.
  • Die Powerbank soll von Funkgerät getrennt werden, sobald die Ladeanzeige von rot auf grün umspringt.
  • Der Kanalschalter soll gewöhnlich am rechten Anschlag stehen. So kann man die anderen der Gruppe ansprechen.
  • Wer länger reden will, soll den Kanal eine Raste im Gegenuhrzeigersinn nutzen, damit die anderen nicht gestört werden. Das gilt beispielsweise, wenn im eigenen Haushalt jemand aus dem Haus muss und ein Funkgerät mitnimmt.
  • Wer jemanden außerhalb der eigenen Gruppe sprechen wll, sollte das auf den anderen Kanälen tun: Die beiden oben genannten Kanäle habe ich mit CTCSS-Subtönen programmiert, damit man von Fremden nicht gestört wird. Das betrifft aber nur den Empfänger, der stumm geschaltet bleibt! Mit solchen Subtönen kann man niemanden am Zuhören hindern.
  • Das wird im Ernstfall kaum einer wissen, aber es gibt die 3-3-3-Regel: Alle 3 Stunden (3h, 6h, 9h...) auf Kanal 3 (3. vom linken Anschlag) für 3 min zuhören und sich ggf. melden.

Diese Liste kann man bei Bedarf erweitern, etwa um eine Konvention zum Verschleiern der Inhalte. Schließlich kann und darf da jeder zuhören.

Diese Anleitung sollte auf 2-3 Seiten passen. Schließlich soll sie in Notsituationen beachtet werden.

Mögliche Erweiterungen

Meist haben diese Funkgeräte eine Sprachsteuerung, d.h. wenn man in sie hinein spricht, schalten sie automatisch den Sender ein. Diese Funktion ist für einen Abstand zwischen Mund und Mikrofon von typisch 2 cm ausgelegt. Das ist aber ungünstig, wenn man z.B. eine pflegebedürftige Nachbarin mit einem Notruf versorgen will. Da werde ich wohl mal wieder basteln müssen. Das dauert aber noch eine Weile...

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Alexander von Obert * http://www.dl4no.de/thema/einfunkg.htm
Letzte Änderung: 04./27.11.21 (Erstfassung)


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